Die deutsche Hausfrau – wer ist das eigentlich?

Die sogenannte Herdprämie war mal wieder ein Anlass, um die deutsche Hausfrau in den medialen Fokus zu nehmen. Ansonsten ist sie eher selten Thema; die Zeiten, als sich berufstätige Frauen und Daheimbleiberinnen öffentlich über Rechte und Pflichten als Mutter und Ehefrau stritten, sind vorbei. Zum Glück. Aber haben die Verfechterinnen des traditionellen Modells eigentlich eine richtige Lobby?

Von den CSU-Abgeordneten wollen wir einmal absehen, denn die sind überwiegend männlich und so konservativ, dass auch ihre Argumente für das Hausfrauendasein seit Jahrzehnten die gleichen sind. Die Familie ist die Keimzelle der Gesellschaft, Kinder brauchen die Liebe und Aufmerksamkeit ihrer Mütter (am besten rund um die Uhr), die Aufgaben der Frauen müssen mit viel Respekt bedacht werden. Und die Hausfrauen selbst – gibt es unter ihnen noch viele, die lautstark nach öffentlicher Wertschätzung ihrer Tätigkeit verlangen?

Gründe für ein Hausfrauen-Dasein sind vielfältig

Von den Frauen, die sich um Kinder und Haushalt kümmern, gibt es jedenfalls rund 15 Millionen in Deutschland. Eine beachtliche Zahl, da müsste man doch annehmen, dass sie als Gruppe deutlicher öffentlich wahrgenommen werden. Allerdings ist nicht festzustellen, wie viele der 15 Millionen aus Mangel an Versorgungseinrichtungen oder familienkompatiblen Jobs zu Hause bleiben, oder wie viele einfach nur warten, bis das Kind groß genug ist, um in den Kindergarten zu gehen. Und erst Recht ist schwer einzuschätzen, wer glücklich mit seiner Rolle ist und wer nicht.

Die perfekte Hausfrau, die um fünf Uhr aufsteht, um Frühstück für Mann und Kinder vorzubereiten, die, wenn die Familie aus dem Haus ist „Bosch Geschirrspüler Ersatzteile“ googelt, nachmittags Kind und Kegel zum Hockey und zur Klavierstunde fährt und abends ihren Mann massiert und das dann als einzig sozial verträgliche Lebensform ausgibt, existiert wohl nur noch selten. Denn die Gründe für Frauen zu Hause zu bleiben sind vielfältig und ihr Daheimbleiben auch zeitlich oft begrenzt.

Unterschiede zwischen Osten und Westen

So stimmt die Vorstellung, dass eher schlecht ausgebildete Frauen zu Hause bleiben, auch nicht mehr. Familienexperte Wilhelm Haumann vom Institut für Demoskopie Allensbach weiß: “Früher waren höher qualifizierte Frauen häufiger berufstätig als gering qualifizierte. Heute ist der Anteil der Hausfrauen in jeder Bevölkerungsgruppe etwa gleich.“ Und es gibt einen Unterschied zwischen Ost- und Westdeutschland. Haumann erklärt das so: „In der DDR gab es kaum Hausfrauen. Die meisten Mütter blieben voll berufstätig. Auch heute noch ist die Erwerbsquote ostdeutscher Frauen höher als die der westdeutschen.“ Doch gibt es Annäherungen. “Der Trend geht in Ost- und Westdeutschland zur Teilzeit arbeitenden berufstätigen Mutter”, beobachtet Haumann.

Es gibt sie noch, die Hausfrauengewerkschaft

Eine Instanz, durch die die Frauen öffentlich vertreten werden, ist der Verband der Familienfrauen und -männer, früher einmal Hausfrauengewerkschaft. Deren Hauptziel ist die finanzielle Anerkennung der Familienarbeit. Berufstätige Mütter sollen keineswegs an den Pranger gestellt werden. Für viele Mitglieder ist das Erziehungsgehalt, auch als Herdprämie verspottet, deshalb nur ein Anfang. Das Betreuungsgeld soll 2013 an Eltern ausgezahlt werden, die Kinder unter drei Jahren zu Hause betreuen und nicht an Kita & Co. abgeben. Das hatten CDU, CSU und FDP im Koalitionsvertrag festgeschrieben, die Initiative dazu war jedoch von den Christsozialen ausgegangen. Ziel der Gesetzesänderung ist es, die Leistung der Eltern bei der Kinderbetreuung stärker als bisher zu würdigen. Außerdem sollen Eltern mit dem Geld mehr Freiheit bei der Wahl der Art ihrer Kinderbetreuung verschafft werden. Mit 150 Euro monatlich soll das geschehen.

Aber auch wenn darüber ein Streit entbrannt ist, spielt der sich viel stärker auf politischer Ebene ab. In den Cafés und auf Spielplätzen hört man nicht viel von dem Thema. Es ist nicht sicher, ob das ein gutes oder schlechtes Zeichen ist.

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