Kurze Geschichte des Handwerks

Das Handwerk hat in Europa und speziell im deutschsprachigen Raum eine lange und traditionsreiche Geschichte. Um unseren Lesern diese Geschichte etwas näher zu bringen, wollen wir in diesem Beitrag die wichtigsten Eckpunkte aus der Handwerksgeschichte im deutschsprachigen Raum näher darstellen.

Von der Antike bis heute

In der Antike bildeten sich die ersten Handwerksberufe wie Steinmetz, Schmied, Goldschmied und Waffenschmied heraus. Meist wurden die Kenntnisse wie auch heute noch von einem Meister an den Lehrling weitergegeben. Im Gegensatz zum Mittelalter, gab es noch keine Handwerkszünfte oder Gilden, so dass theoretisch jeder freie Bürger einen Handwerksberuf erlernen konnte. Nach dem Zerfall des Römischen Reiches änderte sich langsam aber stetig die Gliederung der Handwerksberufe. Im frühen Mittelalter konnte man, wie in der Antike, mehr oder weniger selber entscheiden welchen Beruf man erlernen wollte.

In der Hochzeit des Mittelalters entstanden langsam die ersten Handwerksgilden. Die Handwerker zogen verstärkt vom Land in die Stadt, dort waren ihre Produkte am meisten gefragt, außerdem war die Infrastruktur und die Versorgung mit Rohmaterialien in den Städten wesentlich besser als am Lande. Im Bereich des Bauhandwerks gab es damals im Grunde nur zwei verschiedenen Handwerksberufe, den Beruf des Steinmetzen und den des Maurers. Außerhalb des Bauhandwerks waren vor allem der Beruf des Schmieds und des Müllers die bedeutendsten für das mittelalterliche Wirtschaftsleben. Neben den Handwerkern stellten damals auch oftmals Bauern selbständig Handelsgüter her und verkauften diese.

Das Handwerk wurde immer organisierter

Dadurch, dass im Hochmittelalter die Nachfrage an Handwerksberufen stetig stieg, änderte sich auch die Ausbildung und die Organisation der Handwerker. Sie schlossen sich vermehrt in Zünften zusammen, um gemeinsam über Ausbildungsrichtlinien für Lehrlingsanwärter zu entscheiden, Meisterbriefe zu verleihen und auch um Preisabsprachen zu vereinbaren. Ab dem Zeitpunkt, wo sich die Handwerker in Zünften zu organisieren begannen, war es für Handwerker, die keine offizielle Ausbildung genossen oder solche, die nicht Mitglied in einer Zunft waren, unmöglich ihrem Beruf nachzugehen. Wurde dennoch ein „Schwarzarbeiter“ erwischt, wurde dieser meist polizeilich verfolgt und konnte unter Umständen sogar ins Gefängnis kommen, von hohen Strafzahlungen ganz abgesehen. Es gab jedoch auch Ausnahmen, sogenannte Freimeister, die meist über herausragende Kenntnisse in ihrem Beruf verfügten, durften auch ohne Mitglied einer Zunft zu sein ihrem Berufe nachgehen, brauchten dafür allerdings eine Sondergenehmigung.

Angeregt durch die Französische Revolution gegen Ende des 18. Jahrhunderts setzte sich langsam in ganz Europa das System der Gewerbefreiheit durch, jeder Bürger war dadurch berechtigt, jedem Beruf nachzugehen den er wollte, die Zünfte verloren ihre Bedeutung und hörten schließlich ganz auf zu existieren. In unserer heutigen, globalisierten Welt kann man sich ein System der Zünfte nur mehr schwer vorstellen, würde heute jemand beispielsweise auf die Idee kommen eine Zunft für Klimaanlage-Techniker ins Leben zu rufen, würde dieser jemand wohl als verrückt erklärt werden.

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